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German Railroads Vol.1 "Die Siebziger - Entlang der Bigge" im Test
 
Beeindruckender Einstand für German Railroads
 
German Railroads Vol.1 "Die Siebziger - Entlang der Bigge" ab 18. April erhältlich
 
Kurz nach der Veröffentlichung von Aerosofts erstem Add-On "High Speed Trains" ist nun auch der erste Teil aus der German Railroads Reihe fertiggestellt. Train-Simulator.sebastianfrey.de erhielt die Gelegenheit, sich anhand einer Kopie der endgültigen Verkaufsversion einen umfassenden Eindruck zu machen.
 
Lieferumfang:
Nach gut zwei Tagen, in denen ich alle enthaltenen Loks und einige Aufgaben ausgiebig getestet habe, fiel es mir sichtlich schwer, der gelungenen Atmosphäre von "Die Siebziger - Entlang der Bigge" wieder zu entfliehen. Der StreckenverlaufDas Add-On enthält gleich zwei Strecken, die in Ihrem Zustand den 70er Jahren nachempfunden sind. Bei der ersten handelt es sich um die Kursbuchstrecke 361 von Finnentrop über Olpe nach Betzdorf, während die zweite - die Kursbuchstrecke 461 - von Olpe in Richtung Dieringhausen abzweigt. Weiterhin liegt dem Produkt ein 24-seitiges gedrucktes Handbuch bei, das knapp aber ausreichend auf die Inhalte des Add-On's eingeht. Hier erfahren wir auch, dass sich die Entwickler die Freiheit genommen haben, besonders komplexe Bahnhofsanlagen aus Performancegründen nur teilweise darzustellen. Auch bei den zahlreich vorhandenen Güteranschlüssen wurde - zu Gunsten des Spielspasses - auf maximale Realitätsnähe verzichtet. Der überwiegende Teil der Zusatzinformationen (ein Streckenplan, Gleispläne aller Bahnhöfe, Höheprofile, die Geschwindigkeitshefte, Erläuterungen zu den Signalen und die Aufgaben-Referenz) liegen nur in elektronischer Form (PDF-Dateien und eine HTML-Seite mit der Beschreibung der Aufgaben) auf der CD vor und können bei Bedarf selbst ausgedruckt werden.
 
Rollmaterial:
Das Add-On enthält fünf verschiedene fahrbare Triebfahrzeuge, die in sieben Lackierungen daherkommen. Während die Baureihe 211 in der ozeanblauen Farbgebung gehalten ist, findet man die 212er in der weinroten Originallackierung vor. Baureihe 795/995 mit Anhänger VB 141 im Bahnhof SondernDie Baureihe 323 - auch als Köf II bekannt - ist indessen gleich in drei verschiedenen Farbvarianten enthalten (weinrot, weinrot mit gelb-schwarzen Schürzen und in schwarz). Die beiden Schienenbusse (BR 795 und 798) sind natürlich in ihrer roten Originallackierung mit entsprechenden Beiwagen (BR 995/998) umgesetzt worden. Für den Triebwagen der Baureihe 795 ist zusätzlich der Gepäckanhänger VB 141 vorhanden. Alle sieben Varianten wurden mit viel Liebe zum Detail in hervorragender Qualität umgesetzt und besitzen eben so ansehenswerte Führerstände. Der Blick auf die Modelle ist aus jeder Perspektive eine wahre Augenweide.
Auch bei den Sounds haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet. Obwohl ich den Originalvergleich - aufgrund mangelnder Erfahrung - leider nicht ziehen kann, klingen die Geräusche hervorragend. Das Aufbrummen der Motoren beim Anfahren der Baureihen 211/212 klingt für den Fan wie Musik in den Ohren. Da stehen dann auch die Schienenbusse nicht hinten an und erfreuen mit einer sehr stimmigen Umsetzung des Motorengeräusches beim Fahren mit dem 6-Gang-Getriebe. Schon die Beachtung des Sounds beim Ausfahren der einzelnen Gänge - die wie beim japanischen Kiha des MSTS mit E bzw. STRG-E hoch-und runtergeschaltet werden - ermöglicht eine sehr gute Kontrolle der Fahrzeuge. Die Steuerung der Schienenbusse erfordert allerdings schon ein gehöriges Maß an Übung. Hat man sich allerdings ausreichend mit dem 6-Gang-Getriebe befasst, so wird man mit einem wirklich beindruckenden Fahrgefühl belohnt. Die im Handbuch enthaltenen Hinweise für die Rückwärtsfahrt mit den Schienenbussen sind allerdings unbedingt zu beachten. Besonders erfreut war ich persönlich über die Sounds zur Lokpfeife. Nachdem man so viele schöne Modelle immer mit diversen - und meist unpassenden - Originalsounds der Train-Simulator Standartmodelle gefahren ist, erfreut das vertraute Pfeifen der Modelle in "Entlang der Bigge" wirklich sehr. Wie selbstverständlich gilt der hohe Anspruch an die Qualität der Sounds auch für die drei Köf II Modelle.
 
Der beeindruckende Detailreichtum der fahrbaren Modelle wurde leider bei den beiden nicht fahrbaren Modellen der Baureihen 217 und 220 nicht beibehalten. Während man die 220er in ihrer prägnanten Form als durchaus gelungen bezeichnen kann, fehlt es dem Modell der weinroten BR 217 irgendwie an Ausstrahlung. Unerklärlich bleibt auch die Frage, warum diese beiden Modelle - im Gegensatz zu den fahrbaren Triebfahrzeugen - keine transparenten Scheiben besitzen. Nach eigenem Bekunden wollen die German Railroads Entwickler diese Modelle allerdings zu einem späteren Zeitpunkt mit eigenem Führerstand und Sounds ausstatten und im Internet zum Download anbieten. Diese fahrbaren Versionen sollen dann auch transparente Scheiben besitzen. Wünschenswert wäre es allemal.
 
Passagiersicht - Head-Out - aus den Umbauwagen kurz vor SondernAuch bei den enthaltenen Personenwagen ist die Auswahl durchaus passend. Zu finden sind jeweils drei unterschiedliche Ausführungen der 3-achsigen und 4-achsigen-Umbauwagen sowie der Silberlinge (jeweils: 1./2.Klasse, 2.Klasse und 2.Klasse mit Gepäckabteil). Die vorhandene Passagiersicht (Taste 5) führt bei den Umbauwagen nicht wie gewohnt in das Abteil. Stattdessen erhält der "Mitfahrer" einen Blick aus dem Fenster (Headout-View) der - wie von der Passagiersicht gewohnt - in der horizontalen um 180 Grad drehbar ist. Das dabei entstehende Mitfahrgefühl wirkt eigentlich noch viel schöner als der übliche Blick aus dem Abteilfenster. Bei den Silberlingen führt die Passagiersicht geradewegs in das Steuerabteil des 2.Klasse Wagens mit Gepäckabteil, das für den Einsatz im Schubverkehr dient. Da funktionierende Bedienelemente hier logischerweise fehlen, ist die Steuerung in dieser Einsatzart allerdings ziemlich schwierig. Hier hilft dann nur der Rückgriff auf die Steuerhilfen des Train Simulator.
Alle Wagen sind mit transparenten Scheiben und vollständiger Inneneinrichtung umgesetzt worden. Die 3D-Modelle und ihre Texturen sind dabei sehr detailliert. Leider wirken die großflächigen grünen Seiten der Umbauwagen mitunter etwas eintönig. Ein paar Alterungserscheinungen hätten hier vielleicht Abhilfe geschaffen - aber dies ist sicherlich auch eine Frage des persönlichen Geschmacks. Insgesamt ist der Eindruck der Wagen allerdings sehr stimmig. Die Silberlinge sind aufgrund ihres Musters sowieso nicht von diesem Phänomen betroffen.
 
Köf II mit Güterwagen auf dem Viadukt in DrolshagenDie umfangreiche Auswahl an mitgelieferten Güterwaggons orientiert sich hauptsächlich an den Erfordernissen der umgesetzten Industriebetriebe am Rande der Strecke. Diverse geschlossene Güterwagen (Glmms 50, Gms 35, Tnoms 50, Tmms 50, Gkn und Hbis), offene Güterwagen (Omm 52 und 55, Ktmmvs 69), Kessel- und Tankwagen (Uhs, Uahs, Kds 54 und Zko 54) und Flachwagen (Rbmms 55, Rs 684) kommen in unterschiedlichsten Lackierungen oder mit diversen Beladungen im Rahmen des Add-On's zum Einsatz. Die Wagen sind - soweit ich das bei so vielen Varianten bisher sehen konnte - alle gut gelungen. Allerdings hätten auch ihnen ein paar Gebrauchsspuren sicherlich gut getan. Der einzige "Ausrutscher" im Fuhrpark ist eigentlich der vierachsige Tankwagen Uahs mit dem German Railroads-Logo, der auf den Bahnhöfen farblich doch arg deplaziert wirkt. Hier hätte man es mit der Eigenwerbung bei dem verspielten Flugzeug belassen sollen, das mit einem "German Railroads"-Banner am Himmel einsam seine Runden zieht.
 
Alle Triebfahrzeuge und Wagen sind vorbildgerecht mit Kettenkupplungen ausgestattet. Die einzige Ausnahme bildet hier die Kombination aus BR 795/995 (inkl. Anhänger), die mit einer besonderen Kupplung ausgestattet ist.
 
Aufgaben:
Gleich nach der Installation folgt die erste positive Überraschung. Für beide Strecken ist eine Erkundungs-Aufgabe enthalten, die dem Nutzer - ganz ohne den Zeitdruck des Fahrplans und falsch gestellter Weichen - eine Übersicht über die besonderen Gegebenheiten der Strecken gibt. Eine Tutorial-Aufgabe zur Erklärung der verwendeten Signale ist ebenfalls enthalten. Überhaupt kann das German Railroads Add-On mit der Anzahl mitgelieferter Aufgaben begeistern. Lässt man das Tutorial und die Erkundungsfahrten außen vor, finden sich noch immer 35 Aufgaben in verschiedensten Schwierigkeitsgraden im Lieferumfang. Dabei ist des den Entwicklern gelungen ein ausgeglichenes Verhältnis aus Personenfahrten und Gütertransporten zu wahren. Auch kommen alle mitgelieferten Triebfahrzeuge ziemlich gleichmäßig zum Einsatz. Bei vielen Aufgaben kann es vor Signalen zu mitunter langen Wartezeiten führen, was jedoch zu einem sehr realistischen Fahrgefühl führt. Die in der Aufgaben-Referenz enthaltenen Hinweise (auf der CD) sollten sie allerdings unbedingt vor Antritt einer entsprechenden Fahrt lesen. Leider fehlt jedoch die Thermoskanne im Lieferumfang (Scherz am Rande).
 
Signale:
BR 798/998 vor Signalen bei der Einfahrt in das BW DieringhausenWie es sich für eine in den Siebziger Jahren angesiedelte Nebenstrecke gehört, sind im ganzen Add-On nur Formsignale zu finden. Es ist eine wahre Freude den weich animierten Vor- und Hauptsignalen beim Wechsel zuzuschauen. Überhaupt ist die Signalisierung sicherlich ein besonderes Highlight auf diesen Strecken. Voll funktionstüchtige Vor-, Haupt- und Schutzsignale machen - in Kombination mit den Langsamfahrsignalen und dem Geschwindigkeitsheft - Fahrten ganz ohne die eingebauten Hilfen des Train Simulator möglich. Dann ist aber besondere Vorsicht im Schienenverkehr angesagt, denn zahlreiche weitere Signale wollen in diesem Fall gesichtet, gedeutet und beachtet werden. Nicht beachtete Pfeiftafeln vor ungesicherten Bahnübergängen werden unnachgiebig mit einer Zwangsbremsung geahndet. Übersehene Geschwindigkeitstafeln führen bei der Auswertung der Fahrt zu unschönen Geschwindigkeitsüberschreitungen. Auch ist man ohne Streckenmonitor auf die - vor den Haltepunkten platzierten - Haltepunkttafeln angewiesen um den Fahrtkomfort für die Passagiere auf einem erträglichen Maße zu halten. Da ist es ein wahrer Segen, dass das enthaltene Tutorial alle vorkommenden Signale erklärt. Auch die ausgedruckte Signalübersicht sollte man zu Anfang immer griffbereit haben.
 
Landschaft:
Insgesamt wirken die Strecken auf mich sehr echt. Die angenehmen und passenden Farbtöne für die abwechslungsreichen Wald- und Wiesentexturen verleihen der Landschaft einen sehr realistischen und authentischen Eindruck Auch die Wintertexturen wirken sehr stimmig. BR 212 mit Umbauwagen in der Hochebene bei JunkernthalEgal ob man diese Strecken bei gutem oder schlechtem Wetter befährt, sie wirken immer sehr eindrucksvoll. Schon durch die meist hügelige Form der Landschaft, wirkt diese nur sehr selten unnatürlich.
Die Wahl dieser Strecken für das erste German Railroads Add-On darf sicherlich als überaus gelungen betrachtet werden.
Die Strassen im Gleisumfeld sind weitestgehend sauber verlegt und wirken nur bei extremen Neigungsübergängen unrealistisch. Nur äußerst selten kommt es hier zu wirklich merkwürdigen und unansehnlichen Endstücken.
Einige Kompromisse haben aber auch die Entwickler von German Railroads zu Gunsten einer besseren Perfomance machen müssen. So findet man entlang der Strecke zwar gut gelungene Bäume, diese sind aber häufig spärlich und oftmals nur im direkt angrenzenden Terrain gesetzt. Bewaldete Hänge im Hintergrund wird man bei diesem Add-On selten sichten. Ein Blick in die Tiefen der Landschaft wirkt - bis auf entfernte Strassen und Brücken - meistens ein wenig kahl, was allerdings aufgrund der hohen Objektdichte im Gleisumfeld, die das Auge des Betrachters ständig fesselt, nicht weiter stört.
 
Objekte:
Viele haben anhand der vorab erschienenen Screenshots schon die Farben der Gebäudetexturen bemängelt. Tatsächlich wirken einige Gebäude ziemlich künstlich. Auch der Detailreichtum einiger Bahnhofsgebäude könnte größer sein. Diese Kritikpunkte fallen allerdings im eigentlichen Spielbetrieb schon nach einigen Minuten nicht mehr auf. Auch sieht es im direkten Gleisumfeld erneut ganz anders aus. Auf fast allen Bahnhöfen finden sich liebevoll bestückte Bahnsteiggleise (Gepäckkarren, Sitzbänke, Telefonzellen, etc.), die eine sehr dichte Atmosphäre vermitteln. Bis auf wenige Ausnahmefälle bei kleinen Haltepunkten sind die in Kurven gelegenen Bahnsteige auch meist sehr gut an den Gleisradius angepasst. Auch lächerlich kurze oder Meter vom Gleis entfernte Bahnsteige sind Entlang der Bigge eigentlich nicht zu finden. Korrekte Gleisbezeichnungen für die einzelnen Bahnsteige runden diesen angenehm detailverliebten Eindruck ab.
 
Performance:
Aussagen zur Performance stellen einzelne Tester immer vor einige Probleme. Es gilt der aus Foren bekannte Spruch, dass der RAM beim MSTS ein ausschlaggebendes Kriterium für flüssiges Spielen ist. Besondere Performanceeinbrüche sind mir im Vergleich zu detaillierten Freeware-Strecken (z.B. Berlin-Stettin) nicht aufgefallen. Bis auf einige Ausnahmen, die bei mir zu kurzen Ladepausen von 1-2 Sekunden führten (z.B. bei Einfahrt oder Ausfahrt in Bahnhöfe mit viel computererzeugtem Verkehr) schien das Add-On keine höheren Ansprüche als die MSTS-Standartstrecken zu stellen.
 
Mein Testsystem:
AMD Duron 800 Mhz / 512 MB DDR-Ram
Kyro 2-Chipsatz mit 64 MB SD-RAM (2x2fach FSAA aktiviert)
1024x768 Auflösung im Spiel bei nahezu vollen Details und langen Sichtweiten
 
Ein Fahrbericht:
BR 212 mit Silberlingen beim Verlassen des Bahnhofs Finnentrop in Richtung Olpe/BetzdorfMein erster Ausflug entlang der Biggetalsperre ist die Erkundungsfahrt auf der längeren Strecke (56,5 km) zwischen Finnentrop und Betzdorf. Der Bahnhof Finnentrop ist an der Hauptstrecke Hagen-Giessen gelegen. Nach dem Verlassen des Bahnhofs zweigt die Nebenstrecke nach Betzdorf über eine Brücke sanft nach rechts von der Hauptstrecke ab. Während der Fahrt durch ein paar Bahnhöfe und Haltepunkte nähere ich mich langsam dem Bahnhof Sondern, der direkt am Ufer der Biggetalsperre gelegen ist. Auf den letzten Kilometern dorthin passiere ich mehrere Tunnel und eindrucksvolle Brückenbauwerke, die meinem Zug und einer Strasse auf zwei Ebenen Platz bieten. Danach geht es überwiegend am Ufer der Talsperre weiter bis in den Bahnhof Olpe.
Vor der Einfahrt in den Bahnhofsbereich nähert sich zur rechten in einer Kurve die zweite enthaltene Strecke aus Dieringhausen, die hier in Olpe endet. BR 212 mit 3-achsigen Umbauwagen am Hang hinter OlpeDie ersten 22 km waren beindruckend und ich bin gespannt, wie es ab hier weitergeht.
Die nächsten 12 km führen zum höchsten Punkt dieser Strecke. Erst erklimmt meine 212er langsam einen Hang, während die Strasse links neben mir im Tal immer kleiner wird, dann folgt eine langsam ansteigende Hochebene. An Blickfängen mangelt es unterwegs keinesfalls. Die Landschaft wirkt außerordentlich lebendig. Viele kleine Details am Wegesrand buhlen um die Aufmerksamkeit des Lokführers. Mal passiert man einen Campingplatz; ein anderes Mal sind am Streckenrand Traktoren beim Ernteeinsatz zu beobachten. Gelegentlich möchte man auch am liebsten ein kleines Wettrennen mit den Bussen auf der parallel verlaufenden Strasse leisten. Hat man den Bahnhof von Wildenburg (403 m Höhe) passiert beginnt die sanfte Talfahrt in das noch 20 km entfernte Betzdorf. Die vielen Unterwegsbahnhöfe halten den Spieler dabei ganz schön auf Trab. Die bei Junkernthal auf dem Dach einer Fabrik zu sichtende Köf ist übrigens kein Programmfehler - lassen sie sich in den Aufgaben überraschen. In Kirchen stoßen wir auf die Hauptstrecke Köln-Siegen. Von hier aus geht es die letzten zwei Kilometer bis Betzdorf auf der zweigleisigen Hauptstrecke weiter, wo unsere Fahrt auf der ersten Strecke nach ca. 90-120 Minuten endet. Ich bin sehr beeindruckt. Der ganze Nachmittag ist verstrichen und ich habe nichts davon mitbekommen. Ich war sehr tief in die virtuelle Welt eingetaucht.
 
BR 211 im winterlichen Dieringhausen Also gleich weiter auf die zweite Strecke von Olpe nach Dieringhausen (Länge 30,8 km). Diesmal entscheide ich mich für eine normale Aufgabe, da die Streckenbesichtigungen keinen computergesteuerten Verkehr haben und ich auch ein paar Gegenzüge auf die Screenshots bekommen will. Da meine Ehrfurcht vor dem Schienenbus noch zu groß ist, entscheide ich mich wieder für eine Fahrt mit der 212er. Allerdings starte ich im Bahnhof von Dieringshausen an der Hauptstrecke Köln-Gummersbach. Ich stelle sofort fest, dass die Aufgaben viele computergesteuerte Züge benutzen. Der Bahnhof ist gut gefüllt. Zur linken steht eine 217er mit Silberlingen, welche die Hauptstrecke befährt. Zur rechten wartet ein Güterzug auf Freigabe der Strecke. Offensichtlich darf ich allerdings als erster losfahren. Wenige hundert Meter hinter dem Bahnhof zweigt die Nebenstrecke nach Olpe von der nach links weiterlaufenden zweigleisigen Hauptstrecke ab. Ankunft in Olpe Nach einer kurzen Fahrt durch ein dichtbesiedeltes Tal erreiche ich Niederseßmar. Von hier an führt die Strecke durch teils enge Einschnitte in das Tal stetig aufwärts. Lediglich einzelne Bahnhöfe unterbrechen die zunehmend dünnbesiedelte Landschaft. Langsam aber stetig erklimmt meine 212er die Steigung in Richtung Hützemert; mit 377,4 Metern der höchsten Punkt dieser Strecke. Die Landschaft hat sich inzwischen wieder zu einer Hochebene mit mittlerer Besiedlung entwickelt. Ab Hützemert trennen mich nur noch knapp 10 Kilometer von meinem Ziel. Direkt hinter dem Bahnhof Drolshagen beginnt ein imposanter Damm, der zuerst über ein hohe Brücke führt. Der Blick nach unten auf die Stadt ist wirklich eine tolle Kulisse.
Inzwischen senkt sich die Strecke auch wieder leicht, bis sie auf dem Niveau von 311 Metern den Bahnhof von Olpe erreicht. Kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof muß ich nochmals warten, da mir ein Zug in Richtung Finnentrop entgegenkommt. Dann bin ich auch am Ziel meiner zweiten Reise.
 
Fazit:
Unterm Strich ist "Die Siebziger - Entlang der Bigge" ein beeindruckender Einstieg in die "German Railroads"-Reihe von Ulf Freudenreich und Ernst Tollknaepper. Auch wenn die Charakteristik der Strecke einen direkten Vergleich zu den anderen kommerziellen Add-On's verbietet, kann man German Railroads mit Abstand das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bescheinigen. Sowohl der Umfang an Rollmaterial, als auch die beiliegende Dokumentation und die Anzahl enthaltener Aufgaben setzen neue Rekorde. Eine kleine Nebenbahnstrecke ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Wer sich allerdings auch nur ein wenig für den Bahnbetrieb fern der Hauptstrecken begeistern kann - und das sind sicher die meisten - findet in "Entlang der Bigge" einen äußerst empfehlenswerten Titel, der mit viel Liebe zum Detail entwickelt wurde und den Charme einer Nebenstrecke der Siebziger beeindruckend vermitteln kann. An diesem Add-On wird man lange Freude haben.
Die Messlatte bei der Add-On Entwicklung hängt jetzt ein ganzes Stück höher.  (Testbericht von Sebastian Frey)
 
 
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last update: 1.3.2006